Kraftstoff, der sich in den Flügeln befindet – was ist SAF?
Im Jahr 2024 hat die weltweite Produktion von SAF (Sustainable Aviation Fuel) kaum 1 Mt überschritten. Klingt bescheiden? Ja, das stimmt. Aber bereits 2026 sollen es 2,4 Mt sein, und noch wichtiger: Ab 2025 gilt in der Europäischen Union das ReFuelEU Aviation-Mandat: 2 % SAF bei jedem Flug. Das ist das erste Mal, dass ein Gesetz die Verwendung dieses Kraftstoffs in einem solchen Umfang vorschreibt.
SAF ist ein sogenannter Drop-in-Kraftstoff. Klingt nach einem technischen Begriff, aber es ist ganz einfach: Du mischst ihn mit normalem Jet A-1 (sogar im Verhältnis 50:50) und tankst das Gemisch in das Flugzeug. Keine Änderungen am Triebwerk, keine neue Infrastruktur am Flughafen. Es funktioniert einfach.
Warum beschleunigt sich das gerade jetzt
Denn es gibt nun einen konkreten Termin und eine Strafe. ReFuelEU Aviation verlangt ab Januar 2025 einen Anteil von 2 % SAF, danach 6 % im Jahr 2030 und bis zu 70 % im Jahr 2050 (davon 35 % e-SAF, also synthetischer Kraftstoff aus CO₂).

Klimawirkung? SAF aus Biomasse oder Abfällen reduziert die Emissionen im gesamten Lebenszyklus um 70–80 %. E-SAF schafft über 90 %. Im weiteren Verlauf des Artikels sehen wir, wie das technisch aussieht und was diese Quoten auf dem Markt verändern.
Wie funktioniert SAF?
SAF ist ein „Drop-in-Fuel“, also ein Kraftstoff, den du direkt in den Tank eines modernen Flugzeugs füllen kannst. Du musst weder den Motor noch die Flughafeninfrastruktur oder die Systeme modifizieren. Der Schlüssel sind die Standards ASTM D7566 und D1655, die elf zugelassene Produktionswege definieren. Typischerweise mischst du SAF mit traditionellem Jet A1 im Verhältnis von bis zu 50 % (einige Wege erlauben nur 10 %).
Hier sind die Hauptwege und was sie bedeuten:
| Pfad | Rohstoffe | Blend‑Limit | Emissionsreduzierung |
|---|---|---|---|
| HEFA‑SPK | Pflanzenöle, tierische Fette, UCO | 50% | 70–84% |
| FT‑SPK | MSW, landwirtschaftliche/forstwirtschaftliche Rückstände | 50% | 70-90% |
| ATJ‑SPK | Zucker, Alkohole | 50% | 70-85% |
| SIP/HFS | Zucker, Rückstände | 10% | ~70% |
| PtL (e‑SAF) | CO₂ + H₂ aus erneuerbaren Energien | 50% | >90% |
Neste ist auf HEFA spezialisiert (gebrauchtes Speiseöl ist ihre Spezialität), World Energy startete 2016 die erste kommerzielle SAF-Produktion (Paramount, CA), und LanzaJet setzt auf ATJ.

Qualitätsparameter und Kompatibilität
SAF muss die gleichen Anforderungen wie Jet A1 erfüllen. Die wichtigsten sind: Flammpunkt ≥38°C, Gefrierpunkt ≤−47°C, Energiegehalt 42,8 MJ/kg, Dichte 775-840 kg/m³ und Schwefelgehalt <0,3%. Dadurch bemerkt der Pilot keinen Unterschied und die Flughafenlogistik funktioniert unverändert.
Der nächste Abschnitt zeigt, wie Vorschriften und der Markt die Einführung dieser Technologien in Europa vorantreiben (oder bremsen).
Regulierung und Markt
Regulierungen sind eigentlich der Hauptantrieb des gesamten SAF-Marktes, denn ohne verbindliche Vorgaben würde die Luftfahrtbranche dem teureren Kraftstoff eher zurückhaltend begegnen. Die EU und USA schaffen konkrete Rahmenbedingungen, die ein Angebotswachstum und eine tatsächliche Nachfrage erzwingen.

Mandate und Ziele: EU, UK und USA
ReFuelEU Aviation ist die europäische Grundlage: Ab 2025 gilt an den Flughäfen der EU eine 2%ige SAF-Beimischung, und das Ziel für 2050 liegt bei ganzen 70% (davon 35% e‑SAF). Das klingt ehrgeizig, zumal der Anteil im Jahr 2024 gerade einmal 0,53% betrug. USA geht mit dem SAF Grand Challenge ihren eigenen Weg: 3 Milliarden Gallonen bis 2030 und 35 Milliarden bis zur Mitte des Jahrhunderts, mit Steueranreizen im Rahmen des IRA auf dem Niveau von 1,25–1,75 USD pro Gallone. Großbritannien startet 2025 mit 2% und strebt bis 2040 einen Anteil von 22% an.
| Region | 2025 | Ziel 2030/2040/2050 |
|---|---|---|
| EU | 2% | 6 % (2030) / 70 % (2050) |
| UK | 2% | 10 % (2030) / 22 % (2040) |
| USA | ~1% | 3 Mrd. Gallonen (2030) / 35 Mrd. Gallonen (2050) |
Markt
Schätzungen zufolge wird die weltweite Produktion im Jahr 2025 bei 1,9–2,4 Mio. Tonnen liegen, was einem Marktwert von etwa 2–3,7 Milliarden USD entspricht. Bis 2030 soll der Markt auf 25–26 Milliarden Dollar anwachsen. Eine Einschränkung bleiben die HEFA-Rohstoffe (hauptsächlich Abfallöle) sowie das Tempo des Anlagenbaus.
Antrag aus der Überflughöhe
Nachhaltige Flugkraftstoffe sind keine ferne Zukunftsvision, sondern eine Realität, die sich gerade entfaltet. Zwar müssen die Kosten und der Produktionsmaßstab noch optimiert werden, doch die Technologie funktioniert bereits und der Druck zur Dekarbonisierung der Luftfahrt nimmt stetig zu. Die Frage ist nicht mehr „ob“, sondern „wie schnell“.

Ich sehe darin etwas, das an die Anfänge der erneuerbaren Energiequellen erinnert: Zunächst teuer und eine Nische, später eine Standardlösung. SAF geht denselben Weg, nur mit größerer Eile, denn die Luftfahrtbranche hat keine Zeit für langsame Experimente.
Eines ist sicher: Ein Flug mit einem Flugzeug, das mit Treibstoff aus Küchenabfällen betrieben wird, ist keine Kuriosität mehr. Er wird zur neuen Normalität in zehntausend Metern Höhe.
Jacky
Premium-Journalist

